Donautalbahn bekommt Stundentakt – Schub für Tourismus und Pendelverkehr?

Donautalbahn

Unauffällig, aber effektiv verlautete vor Kurzem aus dem Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg (MVI), dass der Vertrag über die Konzession unter anderem für die Donautalbahnstrecke zwischen Donaueschingen und Ulm mit der DB Regio von Ende 2016 bis Ende 2026 abgeschlossen wurde. Darin enthalten sind die Einführung des Stundentaktes zwischen Tuttlingen und Sigmaringen sowie Modernisierungen der Neigetech-Züge, welche die verbesserte Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und die durchgängige Möglichkeit der Fahrradmitnahme einschließen.

Offene Fragen bleiben

Bereits vor dem 125jährigen Jubiläum der Donautalbahn stand jahrzehntelang aus den Gremien des Naturpark Obere Donau im Raum, zwischen Tuttlingen und Sigmaringen den Stundentakt einzuführen. „Die Bemühungen des Naturparks Obere Donau zur Verbesserung des Nahverkehrsangebots auf dieser für den Tourismus so wichtigen Strecke im Naturpark von Sigmaringen nach Tuttlingen und Immendingen trägt endlich Früchte.“ Durch die im März 2014 gegründete IG Donaubahn und die verabschiedete Resolution nahm das Thema im interkommunalen Verbund zusätzlich Fahrt auf. Die Entscheidung des MVI verspricht nun eine spürbare Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Der Ein-Stunden-Takt schließt nicht nur Fahrplanlücken zwischen Donaueschingen und Ulm. Man erhofft sich zusätzliche Effekte.

Cover Jubiläumsbroschüre 125 Jahre Donautalbahn
2015 konnte der Landschaftspark Junge Donau das 125jährige Jubiläum der Donautalbahn zwischen Inzigkofen und Tuttlingen feiern. Die Jubiläumsbroschüre kann kostenfrei bestellt werden

Stundentakt ist nicht gleich Stundentakt

Bei der IG Donaubahn herrscht große Freude über die Entscheidung, man bleibt aber auch skeptisch. Der Tuttlinger OB und Sprecher der IG Donaubahn, Michael Beck, merkt dazu an: „Wenn vom Landesstandard die Rede ist, heißt dies nur, dass jede Stunde ein Zug fährt. Das muss noch kein sauberer und kundenfreundlicher Stundentakt sein, auch unregelmäßige Abfahrtszeiten wären nach dieser Definition denkbar. Hier brauchen wir baldmöglichst eine klare Aussage seitens des Ministeriums.“ Trotz der besonderen Freude über die jüngsten Entwicklungen bleibt ein Teil der Forderungen bestehen, die in der Resolution der IG Donaubahn enthalten sind. Zusätzliche Halte und Haltepunkte in Geisingen, Immendingen, Mühlheim/Donau oder Gutenstein gehören dazu, ebenso die Harmonisierung mit den querenden Busverbindungen in die Gemeinden seitlich der Talstrecke. Eine Optimierung der Verkehrsinfrastruktur brächte eine verbesserte Anbindung touristisch ebenfalls attraktiver Orte wie Leibertingen, Irndorf, Buchheim oder Mahlstetten und könnte Familien und Berufstätige bei den Pendelwegen in die Schulen entlasten. Besonders begrüßt wird die Entscheidung in den Gemeinden im Donautal zwischen Sigmaringen und Tuttlingen.

Fahrradmitnahme möglich – Barrierefreiheit verbessert

Offenkundig ist ein Anschub für Tourismus und Naherholung im abseits gelegenen Durchbruchstal zu erwarten. Die Donautalbahn gilt nicht nur als eine der reizvollsten Bahnstrecken Deutschlands, sondern ermöglicht einen Anstieg der Gästezahlen. Die höhere Frequenz in Verbindung mit den ebenfalls angekündigten standardmäßigen Mitnahmemöglichkeiten für Fahrräder dürfte eine spürbare Verbesserung des Fahrradtourismus nach sich ziehen. Hier gibt es immer wieder liegen bleibende Radfahrer, die beispielsweise aus Rottweil oder Tuttlingen kommend eine Radtour auf dem Donauradweg nach Sigmaringen machen und anschließend nicht mehr zurück kommen.

Beuron: 15 Minuten nach Sigmaringen, 15 Minuten nach Tuttlingen

Raphael Osmakowski-Miller, Bürgermeister in Beuron und bereits recht gut versorgt mit Haltepunkten in Hausen im Tal und dem Klosterort Beuron, erkennt eine optimierte Zukunftsfähigkeit seiner Gemeinde: „Die Entscheidung ist sehr positiv zu bewerten. Die Donautalbahn ermöglicht ein zügiges Fahren in die nahen Zentren: 15 Minuten nach Sigmaringen, 15 Min nach Tuttlingen. Das ist schneller als mit dem Auto.“ In Verbindung mit günstigem Wohnraum erhofft sich der Beuroner Schultes eine Stabilisierung der Landflucht und sogar den Zugzug junger Familien, die vom hohen Freizeitwert des Donautales angelockt werden. Auch wirtschaftlichen Perspektiven bringt er ins Spiel: „Für den Tourismus ist das super. Wanderungen und Radtouren lassen sich dann viel besser mit dem ÖPNV planen.“

nächtlicher Bahnhof mit Lichtinstallation
Der Theaterbahnhof in Mühlheim

Mühlheim hofft auf Haltepunkt

Auch in Mühlheim wird der Stundentakt mit großer Freude begrüßt. Bürgermeister Jörg Kaltenbach ssagt dazu in Zusammenhang mit dem Anschluss ans Fernwegenetz: „Für uns ist dies ein wichtiger Schritt hin zu einer deutlich engeren Anbindung in Richtung Freiburg sowie in östlicher Richtung über Sigmaringen nach Ulm. Indirekt wird damit auch die Anbindung nach Stuttgart und damit an das Fernnetz spürbar verbessert.“ Für die Stadt Mühlheim selbst erhofft man sich den bisher nicht vorhandenen Haltepunkt, der zugleich eine direkte touristische Verbesserung der Infrastruktur nach sich zöge, schließlich ist im ehemligen Mühlheimer Bahnhofsgebäude das Theater SepTemBer zu Hause, das man dann direkt anfahren könnte. Jörg Kaltenbach stellt sich dabei auf keine einfache Durchsetzung ein: „Im Schulterschluss mit der Interessengemeinschaft Donaubahn arbeiten wir daran, dass der Haltepunkt in Mühlheim in den kommenden Jahren kommen wird. Wir brauchen einen langen Atem. Folglich ist der Weg zum gewünschten Ziel eher ein Marathonlauf, als ein Sprint“, so seine Prognose. Der höhere Taktung dürfte auch die Deutsche Bahn bei der Fahrplanerstellung vor eine Herausforderung stellen. Es darf dabei auch spekuliert werden, ob für eine Umsetzung mehr zweigleisige Ausweichhalte benötigt werden.

Bahnhofs- und Seminargebäude
Das Haus der Natur im Beuroner Bahnhof ist ein Anziehungspunkt für Naturtourismus und regionale Produkte

Anfang vom Ende des NaturparkExpress?

Auch der Geschäftsführer des Naturpark Obere Donau, Bernd Schneck, sieht den Stundentakt positiv. Er setzt im Sinne des Naturschutz auf eine Entlastung durch einen zumindest mittelfristig reduzierten Individualverkehr, was Emmissionen und Lärm senken würde. Mit der Einführung des Stundentaktes steht auch die Frage im Raum, ob damit das Ende des Naturpark-Express eingeläutet wird, der wahrend der Saison als zusätzliche Fahrtmöglichkeit besteht. Bernd Schneck reagiert darauf gelassen: „Wenn der Stundentakt auch für die Fahrradfahrer funktioniert und sich keine Zeitfenster für den Naturpark-Express mehr ergeben, ist es vorstellbar, dass dann über eine Ende des Naturpark-Express nachzudenken ist. Vorher besteht aber mindestens 4 Jahre die Möglichkeit durch regelmäßige Mitfahrt schon heute seinen Beitrag zur Entlastung der Region von Autoverkehr zu leisten“ und verweist erst einmal auf den Status Quo: „Die Saison 2016 startet mit runderneuertem Fahrradwaggon am 1. Mai!“

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