Geophänomenal: die Donauversinkung

02_Donauversickerung

Von Schlucklöchern, Anzapfungen, Dolinen und Quellen

Es ist wohl ein weltweit einzigartiges Ereignis, wenn Menschen zu Tausenden an einen Fluss pilgern, nur weil das Bett ohne Wasser sein soll. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist dieses spektakuläre geologische Phänomen im Versickerungstal der Jungen Donau zu beobachten. Seither strömen nicht nur interessierte Reisende an die Donauversinkung, sondern auch Geologen, Taucher und andere Wissbegierige.

1874 kam es erstmals zu einem vollständigen Verschwinden der Donau. Heute ist die Donau zwischen Immendingen und Tuttlingen-Möhringen bis zu sechs Monate im Jahr ohne Wasser. Äußerlich sieht man lediglich Schlucklöcher, deren Sog die Donau stellenweise sogar rückwärts fließen lässt. Und selbstverständlich forscht man seit der Entdeckung der Versinkung auch nach Erklärungen. Obwohl es sich offenkundig um kein politisches Phänomen handelt, gibt es badische Lokalpatrioten, nach denen die Donau nur deshalb versinkt, „damit sie nicht ins Württembergische fließen muss.“

02_Immendingen-Donauversinkung Tatsächlich spielt eine Grenze eine wichtige Rolle für das Phänomen, aber weniger die herzoglich-badische und königlich-württembergische Grenze, die sowieso nur noch an der Fasnet existiert, sondern vielmehr die europäische Wasserscheide zwischen Donau und Rhein, die in der Quellregion der Donau nahe am Flussbett verläuft. Hier findet also eine Art geologischer Verdrängungswettbewerb zwischen den beiden Europaflüssen statt. Das Donauwasser macht durch die Anzapfung den rund zwölf Kilometer entfernten und 200 Höhenmeter tiefer gelegenen Aachtopf zur größten Quelle Europas und speist den Rhein durch den Zufluss über die Aach und den Bodensee. Die über die Dekaden steigende Anzahl an vollständigen Versinkungstagen hat auch die Diskussion um die Frage nach der Donauquelle angeheizt. Angesichts des immensen Wasserverlustes wird der nahe gelegene Krähenbach als eine neue Quelle ins Spiel gebracht, während andere wiederum sogar die Tuttlinger Kläranlage als Quelle verstanden haben wollen. Ob es sich dabei um einen regionalpatriotischen Racheakt handelt, mit dem die Quelle wiederum ins Württembergische gezwungen werden sollen, ist noch nicht geklärt.
Bei dieser mühseligen Debatte ist eine Besinnung auf die geologischen Hinter- oder besser Untergründe sinnvoller. So ganz aufgeklärt ist das Phänomen aber auch wissenschaftlich noch nicht und insbesondere die Höhlentaucher der Aachquelle und ihr Verein zur Erforschung der Geologie mussten schon viele Mühen auf sich nehmen, um im Untergrund an belastbare Erkenntnisse zu gelangen. Zwei Faktoren kann man aber besonders hervorheben.

02_Höwenegg Da sind zum einen die zahlreichen Vulkane im Hegau, die bereits vor rund zehn Millionen Jahren aktiv waren. Betrachtet man hier eine geologische Karte von oben, ist es sehr markant, dass die Vulkane in gehäufter Anzahl zwischen der Donauversinkung und dem Aachtopf existierten. Die senkrechten Schächte, die sie durch ihre Aktivität in das Gestein brannten, sind die erste Voraussetzung für einen Abfluss der Donau. Die Frage, warum die Versinkung erst 1874 stattfand, beantwortet dieser Umstand jedoch überhaupt nicht.
Es ist jedoch an den heutigen Versinkungsstellen (eine weitere gibt es in Fridingen) bereits viel früher Wasser in den Untergrund getreten. Grund dafür ist die Verkarstung der unterirdischen Kalksteinschichten, das heißt durch Wassereintritt kommt es zu Korrosionen und Sedimentausspülungen, die weitere Hohlräume erzeugen und den Abfluss begünstigen. Solche Höhlen und Schächte führen auch zur Entstehung von Dolinen, bei denen der Untergrund durch die Aushöhlung absackt und kleine Krater hinterlässt.

Alle diese Phänomene kann man auf dem Premiumwanderweg Donauversinkung erlaufen, der nicht nur durch das Versinkungstal der Donau von Immendingen bis Möhringen mit seinem neu erschlossenen Uferweg führt, sondern auch Richtung Hegau vorbei an der Doline Michelsloch und dem Kratersee Höwenegg führt.

Ein Gedanke zu „Geophänomenal: die Donauversinkung“

Kommentare sind geschlossen.