„Hier fehlt nichts.“

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Mit Henriette Gärtner unterwegs im Donaubergland


Hoch über Spaichingen und dem Primtal trohnt der Dreifaltigkeitsberg mit der Wallfahrtskirche der Claretiner. Zwischen hier und dem Klippeneck fühlt sich die Pianistin Henriette Gärtner Zuhause. Wenn es ihre Zeit zulässt, kommt sie gerne hier hoch und genießt beim Wandern die Ruhe in der Natur mit dem Gezwitscher der Vögel entlang der Kante über dem Primtal auf dem Klippenecksteig, einem der neuen Premiumwanderwege im Donaubergland. Manchmal bleibt Sie stehen und genießt den herrlichen Fernblick bis tief in den Schwarzwald, wo sie geboren wurde. Sie ist fest verwurzelt in der Region und genießt ihre vielseitige Ausstrahlung.

Bereits einjährig kam Henriette Gärtner nach Schwandorf, ihr Abi-tur machte sie in Meßkirch. Nach Spaichingen kam die Pianistin und Musikphysiologin eher zufällig, da sie während ihrer Studien in Konstanz dank der Vermittlung durch einen Sport-Kommilitonen in Spaichingen das fand, wonach sie suchte: für wenig Miete einen Platz, um zur Ruhe zu kommen, einen Platz zum Wohnen und Arbeiten, sie hatte kein Instrument, war mitten im Studium und musste finanziell bei 0,0 anfangen. Das hat Henriette Gärtner bei der Oma des Kommilitonen gefunden und lebte mit ihr zusammen. „Das war für mich wie ein Sechser im Lotto. Denn die Dame wollte nicht nur wenig Miete, sondern es gab auch viel Platz und vor allem: einen Flügel!“, erinnert sich Henriette Gärtner. Fast sechs Jahre blieb sie dort, dann wollte sie eine Türe hinter sich zuschließen können.

Ein- und Weitblicke

Von den Aussichtspunkten entlang des Albtraufs zwischen Klippeneck und Dreifaltigkeitsberg schaut Henriette Gärtner in den in den Tälern auf Wohnorte wie Spaichingen, Denkingen oder Aldingen mit ihren Handwerks- und Industriebetrieben. Sie bilden die Grundlage für die Existenz vieler Menschen. In Richtung Südwesten öffnet sich der Blick in die Baar, wo der Hohenkarpfen mit seiner Kunststiftung unauffällig herausragt. Das Zusammenspiel von Bewegung und Musik ist ihr größtes Thema. So nimmt es nicht Wunder, dass die Pianistin und promovierte Bewegungsphysiologin an der Musikhochschule in Trossingen eine Vorlesung zum Thema Musikphysiologie – Musikergesundheit hält und eine eigene Klavierklasse hat.
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Ethik ist wichtig

Bei der Gretchenfrage gibt sich Henriette Gärtner offen und bekennt sich zu einem Leben nach ethischen, moralischen und ästhetischen Werten. Die Künstlerin besucht gerne Kirchen und Kapellen. Sie liebt diese Orte der Ruhe und Besinnung, welche der Schnelllebigkeit unserer Zeit die Stille entgegensetzen. Positiv sieht sie auch die Rolle der Kirchen im gesellschaftlich-kulturellen Umfeld: „Ich begrüße die Kirchen und ihre Werte ebenso wie das Bewahren von Kunstschätzen über die Jahrhunderte hinweg. Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.“
Ihre Inspirationen und die Kraft für ihre Arbeit zieht Henriette Gärtner aus der Region, die sich in allen Jahreszeiten jeweils von ihrer schönsten Seite zeigt.

Foto: Brender, Bildrechte: Stadt Meßkirch
Foto: Brender, Bildrechte: Stadt Meßkirch

Kunst und Gunst, Freiheit und Verantwortung

Anima – Seele – heißt ihre jüngste CD, die Programme stellt sie stets selbst zusammen. Bei der Auswahl setzt sie etwa hälftig auf das Standardrepertoire, welches dem Publikum einen Wiedererkennungswert gibt und woran sie gemessen werden kann. Sie kombiniert dies gerne mit unbekannten Werken großer Komponisten oder mit großen Werken unbekannter Komponisten. „Es gibt so viel wunderbare Klavierliteratur, die selten zu hören ist. Es ist mir ein großes Anliegen, diese teilweise zu Unrecht selten gespielten Werke dem Publikum zu präsentieren und den Werken somit zu helfen, eine Hörerschaft zu finden“, sagt sie. Über Anerkennung freut sie sich natürlich: „Der Applaus ist das Brot des Künstlers. Es ist ein wunderbares Gefühl, nach Jahren einsamer und harter Arbeit zu spüren, dass es gelingt, den Menschen die Musik näher zu bringen und mittels Musik die Menschen berühren, sie auf der emotionalen Ebene ansprechen und begeistern zu können.“ Henriette Gärtner ist sich über die Freiheit der Kunst und entsprechend über die Verantwortung, die sie als Künstlerin hat, sehr bewusst und sieht sie als großen Gewinn. „Das Privileg, frei zu sein, frei im Geist und frei im Denken, einen freien Geist zu bewahren – bringt eine große Verantwortung mit sich. Freiheit bedeutet nicht Willkür und Freiheit darf auch nicht als Freibrief zur Willkür missbraucht werden. Im Gegenzug ist der Preis für diese Freiheit sehr hoch“. Ihr Credo bleibt aber immer: „Das Publikum soll mit mehr Emotionen und Geist nach Hause gehen, als es gekommen ist.“